Mittwoch, 29. April 2009

Schnipp Schnapp Haare ab

Ich habe es tatsächlich wahr gemacht!
Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an mein Gerede in den letzten Jahren, wenn es hieß: "Irgendwann schneide ich mir mal die Haare ganz kurz." Mehr oder weniger verbindlich hatte ich mir die Zeit bis zum 50. Geburtstag meiner Mama als Galgenfrist gesetzt, war ja immer noch so lange hin...
Aber dieses Jahr war es nun soweit und ich begann ernsthafter denn je darüber nachzudenken, ob und vor allem wie ich es tun sollte.
Pro: Natürlich mochte ich meine schönen langen Haare sehr, nicht nur weil ich oft darum beneidet wurde und besonders Männer sie toll fanden, sondern auch, weil sie gleichzeitig so pflegeleicht waren (was andere erst nach fönen, glätten und zig Haarprodukten erreichten, hatte ich einfach indem ich mich mit handtuchfeuchtem Haar schlafen legte und am nächsten Morgen nochmal durchkämmte). Aber nach fast 10 Jahren wollte ich endlich auch mal einen neuen "look", mich auch äußerlich verändern. In anderer Hinsicht konnten die langen Haare auch sehr unpraktisch sein (das Hängenbleiben an irgendwelchen Stuhllehnen, Türklinken, Mantelknöpfen etc.; das Eindippen in gefüllte Teller und Gläser; das Fegen des Pferdeschwanzes in das Gesicht des Nebenstehenden bei einer zu schnellen Drehung des Kopfes, vor allem beim Tanzen (an dieser Stelle noch einmal Entschuldigung an alle Gepeitschten)).
Kontra: Was mir aber Angst machte, waren die Berichte von Kurzhaarträgerinnen, die erzählten, wieviel mehr Aufwand man mit kurzen Haaren doch hätte, wie widerspenstig sonst brave glatte Haare würden...
Was mir bis dato fehlte, war eine rund-um Beratung, weil ich, was kurze Haare anging, keine Ahnung hatte, was bei mir möglich war und was mir stehen würde.
Da ich ja nun aber dank meines Praktikums die Frisöre aus der Udo Walz Niederlassung in unserem Hotel kennenlernte, hatte ich schon bald qualifizierte Leute an der Hand, die mir beim Mittagessen in der Kantine Tipps gaben.
Und plötzlich wurde es konkret, denn mir kam die Idee Vincent bei meinem Besuch im April zu seinem Geburtstag mit einer neuen Frisur zu überraschen.
Nach einigem Hin- und Her, dem Durchforsten von Magazinen und Internetseiten nach Vorbildfrisuren, langen Beratungsgesprächen beim Frisör und den Meinungen meiner Kollegen (seltsamerweise wollten fast alle Männer mich von meinem Plan abbringen und waren dementsprechend alles andere als eine Hilfe bei der Entscheidung wie kurz es denn nun werden sollte und ob Pony oder nicht) entschied ich mich dann endlich für einen Bob mit Pony, nach dem Motto wenn schon anders, dann richtig!
So, und nun will ich euch nicht länger das Ergebnis vorenthalten:

ohne Worte...



und da wars getan...


das etwas andere Stillleben


Fertig!

Dass ich bei meinen glatten Haaren jemals ein Glätteisen benutzen müsste, das hätte ich nie gedacht, aber da komme ich jetzt nicht mehr drum herum, zumindest um die Spitzen schön rund nach innen fallen zu lassen.
Klar muss ich jetzt deswegen ein bisschen früher aufstehen, aber ansonsten bin ich mit meiner neuen Frisur total zufrieden und habs noch kein bisschen bereut. Nur der Pony nervt mich öfter noch, aber den steck ich dann einfach mit ner Spange weg.


- Geht auch, oder?

Achso, nachdem Vini erst einen Moment gebraucht hat, mich auf dem Flughafen zu erkennen, war er gleich ganz begeistert :)
Ihm gefällts, mir gefällts- und euch?

Mittwoch, 8. April 2009

Pri-Pra-Praktikum

Was macht man an seinem freien Tag auf Mallorca, wenn zur Abwechslung mal nicht frühsommerliche Temperaturen und Sonne pur angesagt ist(da gibts natürlich nur eins: Strand!)sondern Schmuddelwetter? Richtig, man putzt mal wieder die Wohnung und dann erinnert man sich, dass es ja auch noch einen Blog gab, der gepflegt werden will bzw. neugierige Leser, die endlich mal wieder informiert werden wollen. Nun, nach 1 1/2 Monaten Auslandspraktikum wird es auch wirklich mal Zeit eine erste Bilanz zu ziehen und zu berichten, was ich denn da überhaupt so mache.
Also erstmal was zum Hotel an sich:
Das St. Regis Mardavall ist mit seinen inoffiziell 6 Sternen die luxuriöseste Adresse auf Mallorca. Es gehört, wie noch 2 andere Hotels auf der Insel zur Kette Arabella Starwood Hotels & Resorts. Andere bekannte Marken sind z.B. Westin, The Luxury Collection oder Le Meridien, aber St. Regis ist die luxuriöseste Marke von allen ("St. Regis ist die Definition für ein Höchstmaß an Stil und Eleganz. Wer sich nach Luxus in jedem Detail und tadellosen Service sehnt, findet sein Zuhause in den St. Regis Hotels."). Das heißt wer mich z.B. zu meinem Geburtstag hier besuchen will und daran denkt sich dort einzuquartieren, den erwartet das hier:

Das ist die Treppe zum weitläufigen Garten hinunter


Die Lobby


Der Pool

Und der Blick von der Restaurantterasse aufs Meer

Ihr solltet allerdings schon so mit
700-2000 oder mehr Euro PRO NACHT rechnen,
+ 40€ Frühstücksbuffet,
+ abendliches 8-Gänge-Menü für 130€
+ Flasche Wein von 50-2000€.
Dafür gibts dann teilweise Jacuzzi, (Dampf)Sauna, Bang & Olufson Flachbildfernseher und einiges mehr in der Suit und Zugang zum Arabella Spa. Wenn ihr noch etwas drauflegt gibts auch noch den privaten Butler-, Helicopter- und Yachtenservice, Personaltrainer oder Starfriseur Udo Waltz...
Na, wie wärs?

Nun aber zu meinem Job. Offiziell habe ich die Aufgaben eines Food & Beverage Coordinators. Das heißt:
•To ensure that the standard of written work is accurate and well presented
•To advise the F&B Director of guest comments or complaints and to initiate a response
•To provide administrative and secretarial support to the F&B Department
•Continuously review and improve internal operations and processes within the department
(laut Job description)

Im Klartext heißt das vormittags stehe ich immer als Hostess am Eingang zum Frühstückssaal- begrüße die Leute (mit dem Namen - kann ich natürlich alle auswendig, zumindest in der Theorie), führe sie zum Tisch, nehme Reservierungen entgegen, helfe gelegentlich beim Tisch ab- und neu eindecken usw. Leider verwechseln die werten Gäste mich oft mit der Bedienung und geben mir ihre Bestellung und Extrawünsche auf. Das kann, wie gerade jetzt zu Ostern, sehr stressig werden aber manchmal kommt ewig keiner und ich steh stundenlang nur doof rum und freu mich ganz doll, wen ich wenigstens Servietten falten kann. Deswegen bin ich immer ganz froh, wenn der Teil des Tages vorbei ist, und ich ins Büro kann. Aber ein paar Vorteile hat dieser Gästekontakt schon, nicht nur weil es auch wirklich nette Gäste gibt, die mir Komplimente machen und mit mir plaudern, sondern auch wegen dem Promifaktor. Gut, auf Heiner Lauterbach und Co. mit ihrer Überheblichkeit kann ich gerne verzichten und mit der Sensationsinfo, dass der Ex von Veronica Ferres tatsächlich eine Affäre mit der Exgeliebten von Olli Kahn hat, kann ich sowieso nicht zur Klatschpresse gehen, obwohl das mein mageres Praktikantinnengehalt sicherlich aufbessern würde...Nein, ich rede hier von einem Privileg, um das mich sicherlich Millionen von inzwischen dem Teenageralter entwachsenen Mädels beneiden würden: 2 Wochen lang jeden Morgen von TAKE THAT Sänger Howard Donald begrüßt zu werden. Und nicht nur das, er hat mich auch gesegnet! (Er sagt "Bless you"- als ich niesen musste). Ehrlich gesagt hätte ich ihn gar nicht erkannt, so unauffällig und höflich er sich mit seinen beiden kleinen Töchtern gab (immerhin war ich erst 11 als sie sich schon wieder auflösten). Aber dafür gibts ja Kolleginnen, die noch zu den Fans der ersten Stunde gehörten und bei seinem ersten Besuch im Hotel im letzten Jahr einen halben Nervenzusammenbruch erlebten.

Nach dem leckeren Mittagessen in der hoteleigenen Kantine, das wie auch ein Frühstücksbuffet für alle Mitarbeiter inklusive ist und wo es öfter vom letzten Tag übrig gebliebene Leckereien vom Gästebuffet gibt, gehts dann ins Büro.
Dort unterstütze ich den Küchenchef beim Waren bestellen, schreibe Menü-, Wein- und Halbpensionskarten, immer auf deutsch, englisch und spanisch, darf manchmal auch Preise kalkulieren und was halt noch so alles anfällt an administrativen Aufgaben. Dementsprechend gewachsen ist mein kulinarisches Vokabular, mein restliches Spanisch macht ansonsten aber kaum Fortschritte, weil ein großer Teil der Mitarbeiter (von den Gästen ganz abgesehen) Deutsche bzw. Österreicher sind. So auch Simone und Kristin aus meinem Büro, die neben meinen Aufgaben auch noch Eventkoordination machen (wo ich dann auch ein bisschen hineinschnuppern kann), und dank denen es meistens ziemlich lustig zugeht im Büro. Mein Chef wiederum ist nicht nur Spanier, sondern auch aus Andalusien, was die Kommunikation nicht gerade leichter macht.

Ich am Schreibtisch von meinem 3-Mann-Büro.

Und wenn ich dann mal nix zu tun habe, übe ich schon mal Hoteldirektor spielen, in dem ich dessen hektische aber charismatisch-geschwungene Handschrift auf den persönlichen Begrüßungskärtchen, die in jedes Zimmer gestellt werden, fälsche :) Unterschreiben tut er dann natürlich doch noch selbst.
Und im Juni werde ich, wenn auch nur für 2 Wochen, zur Assistentin des Area Managers (also der Oberfuzzi der Oberfuzzis, der für alle 3 Araballa Starwood Hotels auf der Insel veantwortlich ist) befördert, während die eigentliche Assistentin im Urlaub ist.
Aber eigentlich gehört mir der ganze Laden ja sowieso schon längst und meine Praktikantentätigkeit ist nur Tarnung, um unauffällig zu sehen wie der Laden läuft.
Ich habe das Hotel, bzw. die Marke sogar nach mir benennen lassen, wie man unschwer erkennen kann am Emblem:



Wie ihr seht: St. R. steht natürlich eigentlich nicht für St. Regis, sondern für STefanie Reimann ;)